Aktuelle Projekte (Förderperiode 2014-2020)

Archaeomontan 2018

Einfahrt ins Mittelalter - Mit den Montanarchäologen unter Tage

Zufall? Zufall ist ein Ereignis, dass man nicht erwartet. Das trifft auch auf die Archäologie und seit einigen Jahren ganz besonders auf die Montanarchäologie im sächsisch-tschechischem Grenzraum zu. Denn der Zufall hat hier zu etwas ganz Besonderem geführt: Dem Projekt ArchaeoMontan.

Kurz nach dem Hochwasserereignis von 2002 wurden in Dippoldiswalde im Osterzgebirge unterirdische Hohlräume entdeckt, die sich als Relikte des Altbergbaus herausstellten. Das ist im Erzgebirge mit seiner langen Bergbautradition an sich nichts Ungewöhnliches. Hier jedoch führte es nach der ersten Begutachtung durch das Landesamt für Archäologie in Dresden (LfA) und das Sächsische Oberbergamt in Freiberg (OBA) und der Feststellung, dass es sich dabei um gut erhaltene Bergwerke aus dem 12./13. Jh. handelt, zu großen Herausforderungen für die weiteren Erkundungsarbeiten. Denn die Silbergruben von Dippoldiswalde sind europaweit einmalig. Auch wurde schon bald deutlich, dass aufgrund der gemeinsamen mittelalterlichen Bergbaugeschichte eine grenzüberschreitende Kooperationsplattform zur Montanarchäologie in Tschechien geschafft werden musste.

So nahm die verantwortliche Archäologin Dr. Christiane Hemker vom LfA im Jahr 2010 Kontakt zum Gemeinsamen Sekretariat auf, um die Projektidee zu besprechen und weitere Kontakte zu tschechischen Fachleuten im Grenzgebiet abzustimmen. Danach brachte Sie vollen Schwung in die professionelle und detaillierte Bearbeitung der Projektidee und „Teamgründung“, so dass der erste Antrag im Jahr 2012 positiv entschieden und das Projekt „ArchaeoMontan – Mittelalterlicher Bergbau in Sachsen und Tschechien“ ins Leben gerufen werden konnte. Das Team von dynamischen und engagierten Fachleuten war sich dabei bewusst, dass es sich um europaweit einzigartige montanarchäologische Funde handelt, die hier erstmals untersucht werden konnten.

Und auf ging es - zur Silbersuche, zum Silberrausch, zum Berggeschrei….

Vor allem ging es um intensives Kennenlernen und Zusammenarbeiten sowie gemeinsame grenzübergreifende Forschungen und Erkundungen für die internationalen wissenschaftlichen Arbeiten.

Das erfolgreich abgeschlossene Ziel 3-Projekt hat neben zahlreichen neuen Erkenntnissen und Entdeckungen, viele neue Fragen aufgeworfen. Diese betreffen insbesondere die Entwicklung von Herrschafts- und Siedlungsstrukturen, die Erforschung mittelalterlicher Aufbereitungs- und Produktionsanlagen, die Untersuchung von montanrechtlichen und wirtschaftlichen Zusammenhängen und die Erkundung der Intensität des Bergbaus und der damit einhergehenden Umweltveränderungen.

Diesen Fragen widmen sich die insgesamt 9 Projektpartner aus Sachsen und Böhmen durch intensive und vorbildliche Zusammenarbeit im laufenden Projekt „Archaeomontan 2018“. Die Forschungen sind breit aufgestellt, komplex und vielfältig sowie in Hinblick auf ihre Interdisziplinarität einmalig. Gleichzeitig wird eine stärkere räumliche Fokussierung auf die gewählten Referenzgebiete gelegt. Das Team aus Montanarchäologen, Historikern, Museologen, Geologen, Mineralogen, Restauratoren, Ingenieuren, Geoinformatikern und Verwaltungsfachleuten (LfA, OBA, Ústav archeologické památkové péče in Most, Stadtverwaltung Dippoldiswalde, TU Bergakademie Freiberg - IWTG, Česká geologická služba in Prag, Univerzita J. E. Purkyně in Ústí nad Labem und Město Krupka) unter vorbildlicher Leitung von Dr. Christiane Hemker trägt wichtige montanarchäologische und -historische Informationen und Relikte aus der Frühzeit des Bergbaus zusammen, die sowohl die grenzübergreifenden Gemeinsamkeiten als auch die Gegensätze mit einem hohen Maß an Authentizität und Glaubwürdigkeit herausstellen.

Jüngst erst schlug wieder der Zufall zu: Als in Bad Schlema die städtische Hauptabwasserleitung drohte in die Tiefe abzurutschen, wurde ein riesiges, über 500 Jahre altes Wasserrad entdeckt. Solche Wasserräder wurden als Förderanlagen in Bergwerken installiert, wie es bereits vom Begründer der Bergbaukunde Georgius Agricola hat 1556 im Detail beschrieben hat. Wieder ein europaweit einmaliger Fund, der vom ArchaeoMontan-Team untersucht wird.

Das Zieljahr des Projektes 2018 ist gleichzeitig auch das 800-jährige Jubiläum der Bergstadt Dippoldiswalde. Zu diesen Anlass und zum krönenden Abschluss des Projektes wird im Schloss Dippoldiswalde eine Dauerausstellung zum mittelalterlichen Bergbau im Erzgebirge am 23. August 2018 eröffnet. Eingerahmt wird die Veranstaltung von der großen internationalen Abschlusstagung des ArchaeoMontan-Projektes, die vom 23. bis 24. August 2018 in den Parksälen von Dippoldiswalde stattfindet.

Weitere Dokumentationen zum hochmittelalterlichen Bergbau im Erzgebirge, zu den Projektaktivitäten und Forschungsergebnissen sowie Bilder und Filme sind unter http://www.archaeomontan.eu zu finden.

Thema

Archaeomontan 2018

Fördergelder

davon EFRE 4.411.245,16 EUR

Förderregion

Bild

Quellen verbinden Landschaften und Länder

Quellen verbinden durch umfassende Forschung im deutsch-tschechischen Grenzgebiet

Ein Team von Wissenschaftlern dreier Universitäten – der Technischen Universität in Liberec (Technická univerzita v Liberci), der Technischen Universität Dresden (IHI Zittau) und der Tschechischen Universität für Landwirtschaft in Prag (Česká zemědělská univerzita v Praze) beschäftigt sich mit der Erforschung von Quellen und Quellgebieten auf der sächsischen und tschechischen Seite der Grenze. Schon fast zwei Jahre lang arbeiten die Wissenschaftler und ihre Studenten an dem Projekt „Quellen verbinden Landschaften und Länder“.

Die Forschung ist sehr komplex, vielfältig und im Hinblick auf ihre Interdisziplinarität einmalig. Im Rahmen des Projektes arbeiten Fachleute aus mehreren Gebieten zusammen: Hydrologie, Geologie, Ökologie, Kulturgeographie, Kartographie und Geoinformatik. So trifft sich ein Chemiker mit einem Geographen, ein Hydrobiologie mit einem Geologen. Nicht nur die chemischen Kennwerte der Quellen werden durch die Wissenschaftler erfasst; kartiert wird auch ihr Vorkommen. Und es wird nach den kulturellen Funktionen gesucht, welche die Quellen in ausgewählten Gemeinden und Orten früher und heute hatten und haben.

Eine solche umfassende Erforschung von Quellen hat es in der Tschechischen Republik bisher noch nicht gegeben. Daneben sind die Zusammenarbeit und die Möglichkeit, mit Kollegen aus Zittau in einen Erfahrungsaustausch zu treten, sehr bereichernd und aufschlussreich. Die Herangehensweise der tschechischen Wissenschaftler ist ein bisschen anders – in manchen Aspekten sind die tschechischen Verfahren zu konservativ; demgegenüber ist die Sichtweise der deutschen Wissenschaftler liberaler. Sehr viel Forschungsarbeit wird zusammen mit Studenten im Gelände durchgeführt.

Das Projekt „Quellen verbinden Landschaften und Länder“ hat im Februar 2016 begonnen. Nach einem Jahr und acht Monaten Forschung können die Wissenschaftler und Studenten eine Menge Daten, Kartenunterlagen und historische und zeitgenössische Fakten vorweisen. Nichts davon bleibt unberührt in der Schublade liegen oder auf dem Computer gespeichert – die Daten werden von den Studenten zur Erarbeitung und Verteidigung mehrerer Abschlussarbeiten genutzt. Das Team der Wissenschaftler trägt gegenwärtig die Ergebnisse der Erforschung des Wassers in den Quellgebieten des Iser- und Lausitzer Gebirges zusammen. Diese Ergebnisse sollen als Handlungsempfehlung für die Nutzung der landschaftsprägenden Rolle von Quellen beim Erhalt und der Verbesserung der ökologischen und biologischen Vielfalt in der Grenzregion dienen.

Das gemeinsame Studium von Quellen im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet hat zu der Erkenntnis geführt, dass Grenzen, insbesondere die europäischen, sich oftmals nur in den Köpfen befinden. Während der Forschung werden sie nicht wahrgenommen, weil die Quellen die Forscher fachlich und auch menschlich verbinden.

Die Projektaktivitäten im Gelände, in der Forschung und in der Bildung werden in kleinen Videoaufnahmen und Bildern dokumentiert. Möchten auch Sie den Reichtum der Natur und Kultur der Region zwischen Zittau und Liberec kennenlernen? Dann verfolgen Sie die Quellenforschung online auf den Internetseiten http://prameny.tul.cz/ und https://facebook.com/prameny-spojuji .

Foto: Erik Lehmden und Martin Mašek

Thema

Quellen verbinden Landschaften und Länder – Umweltbildung und Kooperation in der Region Zittau – Liberec

Fördergelder

davon EFRE 1.077.433,04 EUR

Förderregion

Liberec, Zittau, Prag

Bild

Netzwerk Kulturelle Bildung und Sprache

Kreativität erleichtert die soziale Integration und hebt den Bildungsstand! Unter dieser Prämisse führen der Sächsische Musikrat e.V. in Dresden, der Kulturelle Bildungsbetrieb Erzgebirgskreis in Stollberg und die Kunstgrundschule in Litvínov ein grenzüberschreitendes Projekt durch, das das sächsisch-tschechische Erzgebirge und weitere Regionen um ein einzigartiges musikalisch-kulturelles Angebot bereichert.

Die drei Kultur- und Bildungseinrichtungen knüpfen mit ihrem Vorhaben an ein erstes EU-Projekt „Internationales Jazz-Festival Litvínov/Sächsisch Tschechische Jazzwelten 2009-2011“ an. Damals wurden in Litvínov mehrere Festivals und ein Wettbewerb im Bereich Jazz durchgeführt und auf sächsischer Seite Jazz-Workshops für 14-26jährige Nachwuchsmusiker durchgeführt.

Mit dem Start des vorliegenden Projekts im Sommer 2016 hat sich das Spektrum deutlich erweitert. Musik-, Theater- und Tanzbegeisterte unterschiedlicher Nationen, Schularten und Altersklassen können nun aus einem breitgefächerten musikalisch-kulturellen Bildungsangebot wählen: Sommerakademien in Colditz, Wettbewerbe für Chor und Jazz in Bad Elster und Litvínov, Festivals für Jazznachwuchs in Litvínov, der Jazzworkshop „Jazzwelten“ in Hoyerswerda, Kinder-Musiktheater-Märchenfestivals in Stollberg und Litvínov, Tanzworkshops in Litvínov, Austauschkonzerte zwischen den Musikschulen sowie Instrumental- und Orchesterworkshops in Annaberg-Buchholz, Gornsdorf, Thum, Aue, Stollberg, Olbernhau und Litvínov.

Mit dem Projekt sollen über 3.500 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der Grenzregion erreicht werden. Die Ansprache erfolgt über Vereine und Schulen. Ein jeder Teilnehmer nimmt an mindestens drei der o.g. Aktivitäten teil und erhält zum Abschluss ein Zertifikat zum Nachweis seiner neu erworbenen Fertigkeiten. Viele Angebote sollen nach der dreijährigen Projektlaufzeit dauerhaft etabliert werden.

Durch die intensive Beschäftigung mit Musik, Theater und Tanz verbessern die Teilnehmer ihre sozialen, kommunikativen und kreativen Kompetenzen. Neu ist, dass alle Veranstaltungen mit Sprachanimationen kombiniert werden. So finden die Teilnehmer einen direkten Zugang zur Sprache des Nachbarn und treten miteinander in einen interkulturellen Dialog. Langfristig profitieren die Teilnehmer durch diese Vertiefung ihrer Fach- und Methodenkompetenzen auch im Hinblick auf ihre Ausbildungs- und Beschäftigungschancen.

Alle Projektaktivitäten werden filmisch und fotografisch dokumentiert. Sehen Sie hier Ausschnitte aus der tschechisch-deutschen Chorbegegnung CHORWELTEN am 10. Juni 2017 in Bad Elster ( Link ).

Weitere Informationen finden Sie laufend unter www.netzwerkkultur.eu .

Thema

Netzwerk Kulturelle Bildung und Sprache

Fördergelder

davon EFRE 892.903,93 EUR

Förderregion

Dresden, Stollberg, Litvínov

Bild

Adelsschätze - Die Lust des Sammelns in Sachsen und Böhmen

Mit dem im Dezember 2015 durch den Begleitausschuss bestätigten EU-Projekt können Schloss Weesenstein und Schloss Dĕčín ihre schon über ein Jahrzehnt währende erfolgreiche Partnerschaft fortsetzen. Mit dem ersten EU-Projekt „Adel ohne Grenzen – die Herren von Bünau in Sachsen und Böhmen“ besannen wir uns auf die gemeinsame Geschichte der beiden Schlösser. Die Bünaus hatten – wie viele andere meißnische Adelsgeschlechter im 16. Jahrhundert auch – Besitzungen im benachbarten Nordböhmen, die sie nach der geschichtsträchtigen Schlacht am Weißen Berg 1620 aufgeben mussten. Zwischenzeitlich widmeten wir uns auch thematisch der Entstehung der sächsisch-böhmischen Grenze anlässlich des Vertrages von Eger 1459 und den Schicksalen der Schlösser in Sachsen und Böhmen. Das neue Projekt "Adelsschätze“ möchte insbesondere die Frage beleuchten, wie mit den Sammlungen des Adels in den Schlössern, die in Böhmen viel reichhaltiger waren und sind, in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche umgegangen wurde bzw. welche Modifikationen und Strategien zu deren Präsentation und Erhaltung beigetragen haben. Auch der heutige Umgang mit den Sammlungen soll herausgearbeitet werden. Während in Sachsen große Teile der Sammlungen während der sogenannten Schlossbergung nach dem Zweiten Weltkrieg in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden konzentriert wurden, sind die Sammlungen in den böhmischen Schlössern oft komplett erhalten, teilweise sogar inklusive der Schlösser restituiert bzw. werden sie an ihre ursprünglichen Orte zurückgeführt – dank der nach dem Krieg sorgfältig geführten „Schwarzen Bücher“ lassen sich die Kunstgüter in den Depots genau bestimmen und den Schlössern wieder zuordnen.

Das Projekt „Adelsschätze“ beinhaltet mehrere Sonderausstellungen in Weesenstein und Dĕčín, eine wissenschaftliche Tagung, Publikationen und Veranstaltungen. So zeigen wir Ausstellungen zum Thema „Sammeln“, z.B. 2017 die Sammlung des letzten wettinischen Besitzers von Weesenstein Prinz Johann Georg von Sachsen, der eine noch existierende Sammlung orientalischer Kunst zusammengetragen hat. Die Kollegen in Dĕčín möchten unter anderem ein Speisezimmer und die Bibliothek der Grafen von Thun wieder einrichten, nachdem das Schloss über Jahrzehnte durch militärische Nutzung seines Inhaltes beraubt wurde und seit 2005 wieder als Schlossmuseum eingerichtet wird.

Kleinere Winter-Ausstellungen widmen sich dem Festkreis des Jahres in beiden Ländern und dem Brauchtum. Damit wollen wir zum besseren gegenseitigen Kennenlernen beitragen. Wer weiß schon, wann und warum in Tschechien heute Feiertage begangen werden und welche Bräuche zu Ostern oder anderen Anlässen gepflegt werden. Alle Texte in den Ausstellungen sind mindestens zweisprachig und damit auch für die Bewohner der jeweils anderen Region attraktiv. Ergänzende Vorträge im Rahmen unseres „Geschichtenfrühstückes“ behandeln interessante Themen der sächsischen oder böhmischen Geschichte. Darüber hinaus soll mit Sprachkursen für Mitarbeiter auch der Gästeservice, d.h. die direkte Ansprache der Gäste weiter verbessert werden. Der fachliche Austausch sowie öffentliche Exkursionen in Sachsen und Böhmen vervollständigen das Rahmenprogramm.

Wir freuen uns, der interessierten Öffentlichkeit durch ein vielfältiges Angebot unseren südlichen Nachbarn, dessen reizvolle Schlösserlandschaft und die reiche Kultur Tschechiens nahebringen und die Wurzeln der gemeinsamen kulturellen Identität Sachsens und Tschechiens zeigen zu können. Informationen finden Sie laufend unter www.schloss-weesenstein.de

Thema

Adelsschätze - Die Lust des Sammelns in Sachsen und Böhmen

Fördergelder

davon EFRE 1.376.912,91 EUR

Förderregion

Weesenstein und Děčín

Bild