Aus dem Tagebuch einer Projektmanagerin

Pavla Růžičková berichtet vom Projekt "GECON – Grenzüberschreitendes geologisches Kooperationsnetzwerk"

In "Gecon" arbeiten der Geopark Ralsko o.p.s., das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz und die TU Liberec zusammen am Aufbau eines grenzübergreifenden geologischen Netzwerks. Viel Kommunikationsbedarf, umfangreiche Fördervorschriften und anspruchvolle Ziele stellen jede Menge Anforderungen an die Beteiligten. Wir erfahren hier regelmäßig aus erster Hand von den Erfolgen und Anstrengungen des Projektlebens. Seien Sie gespannt!

Mehr erfahren

30.05.2018 - Studienreise nach Bayern

Bild

Endlich geht’s los. Nach wochenlangen Vorbereitungen. Wir haben uns 83 E-Mails geschrieben, von den Telefonaten ganz zu schweigen. Alle sind motiviert, alle freuen sich. Wenn bloß alles klappt. Auf der Reise begleitet uns ein Sturm, aber am ersten Treffpunkt kommen wir alle pünktlich auf die Minute an. Wenn auch jeder aus einer anderen Richtung. Ein hoffnungsvoller Anfang. Keiner hat ein Navigationssystem – Geologen können Karten lesen. Das Landesamt haben wir jedenfalls gefunden. Es erwartet uns der höchst beflissene Leiter des lokalen tschechisch-bayerischen Geoparks. Und ein Empfang des Landrats, der den lokalen Geopark mit Wort und Tat unterstützt. Er spricht darüber, wie ein Geopark funktioniert, wie man um politische Unterstützung wirbt … Während die Kollegin Lenka fasziniert zuhört, werden die Geologen langsam unruhig. Sie würden lieber schon ins Gelände aufbrechen. Beim Spaziergang durch den Ort untersuchen sie begeistert jeden Pflasterstein. Wir bewundern die Infotafeln des Geoparks und fotografieren sie von allen Seiten. Da wissen wir freilich noch nicht, wie viele es davon gibt. Weiterfahrt zur nächsten Station. Das Auto der Jungs von der TU Liberec streikt. Wir lassen es stehen und verteilen uns schnell auf die übrigen Autos. Nächste Haltestelle Tiefbohrung. 9 Kilometer unter der Erde. Der Dolmetscherin bricht der Schweiß aus, die Geologen strahlen vor Glück. Ich vermute, dass sie sich am liebsten auch in den Schacht bohren würden, wenn es nur ginge. Die Sprachbarrieren fallen, es bleibt die Begeisterung für die Sache. Der Leiter treibt uns zurück zu den Autos, und weiter geht es. Angeblich müssen wir noch zu einem Vulkanausbruch. Außer mir wundert sich niemand darüber. Wir erreichen pünktlich ein Museum, und kaum dass wir einen ersten Blick hineingeworfen haben, wird alles dunkel und es beginnt eine Vulkanshow. Gerade in Verbindung mit der herrschenden Hitze ist das ein unvergessliches Erlebnis. Aber ich möchte nicht neben dem Museum wohnen wollen, den ohrenbetäubenden Lärm hört man bestimmt bis nach draußen. Die nächsten Stunden besichtigen wir eine schöne lokale Basaltformation und natürlich weitere lange Reihen von Infotafeln. Bevor wir uns nach dem gemeinsamen Abendessen in unsere Betten verkrümeln, erzählt uns die Pensionswirtin, dass die Gemeinde morgen früh um sechs von Kanonenschüssen geweckt wird. Es ist Fronleichnam. Und anschließend kommt die Kapelle. Blasmusik. Aber wir brauchen keine Angst zu haben, bei der Pension gibt‘s bloß einen Trommelwirbel … Ich wundere mich über gar nichts mehr. Alles klappt, keine Probleme, so viele Ideen und Informationen. So soll Zusammenarbeit sein. Ich habe nur ein bisschen Angst, ob wir das morgen auch alles schaffen. Aber mit so einem Wecker verspätet sich bestimmt niemand. Also packe ich nur noch meine EU-Fähnchen ein und falle ins Bett – morgen geht’s weiter.